Daten und Wissenswertes über die Orgel in Bergen

In unserer Bergener Pfarrkirche wurde im Jahre 2000 eine "neue" Orgel eingebaut. Das Instrument wurde ca. 1870 erbaut und uns zu einem Freundschaftspreis von der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Bobingen-Straßberg in der Diözese Augsburg überlassen. Einen nicht geringen Teil der Kosten für den Ab- und Wiederaufbau trägt die Gemeinschaft der Ermländer, deren letzter Bischof Maximilian Kaller auf unserer Insel Rügen im Anfang des vergangenen Jahrhunderts seine erste Pfarrstelle hatte. Damals baute er die Kirchen in Bergen, Garz und Sellin. Durch die hilfreiche Unterstützung der Ermländer könnte man beinah sagen, daß Pfarrer Kaller immer noch segensreich auf der Insel wirkt... Als Gemeinde müssen die Bergener in den kommenden Jahren den Kaufpreis bzw. die Restsumme von 7.500 € durch Spenden selbst aufbringen.

Für die Fachkundigen hier die technischen Daten: Das Instrument hat ein Manual und ein Pedal sowie insgesamt neun Register mit rund 450 Pfeifen auf einer mechanischen Kegellade. Die längste Pfeife misst 2,40 m und die kleinste 3 cm. Die Pfeifen bestehen aus Holz bzw. Zinn mit einem Bleianteil. Der Orgelbauer ist unbekannt. Das Werk steht in einem neugotischen Gehäuse, das stilistisch sehr gut zur Architektur der Kirche passt.

Die Orgel verfügt über folgende Disposition:
Manual (C - f'''): Salicional 8', Flöte 4', Octave 4', Principal 8', Gedeckt 8', Gambe 8', Octave 2' (s. u.)
Pedal (C - c'): Subbaß 16', Octavbaß 8'
Kombinationen: piano, forte, tutti

Das Manual ist fest an das Pedal gekoppelt. Des Weiteren gibt es den "Colektiv-Zug", der die Register Salicional 8', Gedeckt 8' und Gambe 8' zusammenfasst. Das Register Octave 2' ist eigentlich eine drei- bis vierfache Mixtur, die jedoch in der Bergener Kirche als zu "schreiend" empfunden wurde, woraufhin man die Quintchöre und ggf. einen weiteren Oktavchor vorübergehend stillgelegt hat. Dieser Vorgang ist jederzeit reversibel.

Diese romantische Disposition dürfte noch dem Originalzustand entsprechen. Als um 1950 die Straßberger Kirche vergrößert wurde, konnte die Orgel den Raum klanglich nicht mehr füllen, weswegen man vermutlich (zumindest) die Mixtur sowie die Octave 4' stärker intoniert bzw. erneuert hat. Es ist unter diesen Umständen schon bemerkenswert, dass das die einzigen Eingriffe waren und das Instrument nicht im Sinne der damals allgegenwärtigen Orgelbewegung verändert (Ausdünnung der Grundstimmen, dafür Einbau heller Register und Aliquoten) oder gleich durch einen neobarocken Orgelneubau ersetzt wurde, sondern im praktisch ursprünglichen Zustand bis heute erklingen kann.

Und noch etwas: Im Zuge des Orgeleinbaus erhielt die Kirche auch wieder ihren alten Taufstein zurück. Die Türen zur Orgelempore und Sakristei wurden im ursprünglichen Zustand der 20-iger Jahre mit originaler Bleiverglasung rekonstruiert.